Ökumenischer Friedensgottesdienst mit Verleihung des Ökumenepreises am 25. Oktober in St. Johann

Nachricht 30. Oktober 2026

Friedhofscafé Schinkel ausgezeichnet

Am 378. Jahrestag des Osnabrücker Friedenstages hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück (ACKOS) am Sonntag, 25. Oktober, den zur Tradition gewordenen ökumenischen Friedensgottesdienst in der katholischen Kirche St. Johann in der Osnabrücker Innenstadt gefeiert. Das Thema des Gottesdienstes – „Hör doch zu! – Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ – passt auch zur Initiative Friedhofscafé Schinkel, die während der Feier mit dem Ökumenepreis 2026 ausgezeichnet wurde. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgte der Chor Resucito aus der Pfarrei St. Elisabeth unter der Leitung von Dominik Lübbers.

Dr. Coffi Akakpo, Dechant des katholischen Stadtdekanats Osnabrück und Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Elisabeth, freute sich, dass so viele Christ*innen verschiedener Konfessionen aus Osnabrück im Gottesdienst gemeinsam für den Frieden beteten. Die Ökumene sei die Zukunft der Kirche. Als Christ*innen seien „die Menschen miteinander unterwegs und tragen gemeinsam Verantwortung für die Welt.“ Es sei aber nicht einfach, „wirklich zuzuhören. Hören wir die, die Angst haben? Hören wir die, die unter Krieg leiden“, fragte der Stadtdechant.

Echtes Hören ist anspruchsvoll und verlangt eine Unterbrechung und den Blick für eine andere als die eigene Perspektive.

Holger Erdmann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Münster

Sehnsucht, verstanden zu werden

In seiner Predigt setzte sich Holger Erdmann, Superintendent des benachbarten westfälischen Evangelischen Kirchenkreises Münster, mit den Facetten des Gottesdienst-Themas auseinander und bezog diese auf das Gleichnis des Sämanns. In der Aufforderung „Hör doch zu!“ schwinge eine Dringlichkeit mit, wenn das Gegenüber nicht zuhöre. Gleichzeitig verstecke sich dahinter die Sehnsucht, verstanden zu werden. „Wir leben in einer Welt, in der ständig kommuniziert wird. Möglich, dass dabei die Sorgfalt der Kommunikation auf der Strecke bleibt“, meinte Erdmann. Niemand höre mehr richtig zu, so dass die Stimmen – ähnlich wie Gespräche in einem vollen Restaurant – immer lauter würden, „aber das Verstehen wird trotz größerer Lautstärke nicht tiefer.“ Echtes Hören sei anspruchsvoll, verlange eine Unterbrechung und den Blick für eine andere als die eigene Perspektive. Die gemeinsame Geschichte von Osnabrück und Münster als Städten des Westfälischen Friedens existiere deswegen, weil Menschen nach Jahrzehnten von Krieg, Hass und Zerstörung einen anderen Weg gesucht suchten, „indem diese Menschen begonnen haben, einander wirklich zuzuhören“, unterstrich Erdmann. Der Westfälische Frieden habe eine bis heute andauernde Aktualität, weil er vom Zuhören lebe. „Auch die ökumenische Bewegung hat uns wichtiges über das Hören gelehrt, da wir die Frage stellen, was wir voneinander lernen können“, sagte Erdmann. Wie im Gleichnis des Sämanns, wo dieser unabhängig von der Qualität verschwenderisch das Saatgut verteile, höre Gott nicht auf, zu sprechen. „Davon bleibt vielleicht nur ein Impuls, ein Satz, ein Gebet. Hör doch zu, wenn Gott spricht, wenn die Stimme des Friedens leiser wird“, lautete Erdmanns Aufruf.

Auch bei der Verleihung des mit 500 Euro dotierten Osnabrücker Ökumenepreises fielen die Worte Hören und Zuhören häufig. Ausgezeichnet wurde die ökumenische Initiative Friedhofscafé Schinkel. „Seit November 2022 findet an jedem 2. Sonntag im Monat an der Kapelle des Schinkeler Friedhofes ein Café statt. Ein Team aus insgesamt zwölf Frauen setzt sich gegen Einsamkeit im Stadtteil ein und schafft Raum für Begegnungen und Gespräche. Die Ehrenamtlichen bringen Kaffee, Tische und vor allem eines mit: Zeit für die Menschen und ein offenes Ohr für ihre Geschichten“, berichtete Pastorin Linda Janssen, Vorsitzende der ACKOS und Pastorin der Evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrück. So entstehe ein Ort der Begegnung, an „dem Zuhören, Gemeinschaft und Anteilnahme im Mittelpunkt stehen“, hob Janssen hervor. Annegret Bünte dankte im Namen des Teams des Friedhofscafés für die Auszeichnung. „Unser Dank gilt aber vor allem den Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken. Das ist unser Glück“, sagte Bünte.