„Wir haben viel Pionierarbeit geleistet“

Nachricht 25. Februar 2026

Antje Marotz als pädagogische Geschäftsführerin der evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Osnabrück in den Ruhestand verabschiedet

25 Kindertagesstätten und Horte, etwa 500 Mitarbeitende in den Einrichtungen und über 1.800 Betreuungsplätze – Zahlen, die für die Arbeit von Antje Marotz in der Geschäftsstelle Kindertagesstätten im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osnabrück stehen. Jetzt wurde die 63-Jährige aus ihrem Dienst als pädagogische Geschäftsführerin in den Ruhestand verabschiedet.

Im Gespräch berichtet Marotz von ihrem eigenen Werdegang, von der Entstehung der Kita-Geschäftsstelle, die ab 2014 aufgebaut wurde, und wie die Entwicklung dazu zustande kam.

Bericht über die Verabschiedung

Interview

Frage: Frau Marotz, wie verlief Ihr Werdegang, bevor Sie beruflich in den Kirchenkreis Osnabrück kamen?

Marotz: Ich wurde in Osnabrück geboren, absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin und studierte anschließend Soziale Arbeit in Münster. 1992 begann ich als Kita-Leitung in Hagen a.T.W. im damaligen Kirchenkreis Georgsmarienhütte. Im Jahr 2009 wechselte ich dann zur „Kita-Kooperation“ in den Kirchenkreis Osnabrück und war ab 2014 für die Geschäftsstelle Kindertagesstätten tätig.

Was ist beziehunsgweise war die Kita-Kooperation?

Marotz: Wenn man es so beschreiben möchte, war das ein Vorläufer der heutigen Geschäftsstelle Kindertagesstätten. Die finanzielle und personelle Verantwortung für die Kitas lag bei den Kirchengemeinden und in der Kita-Kooperation fand zum Beispiel Fachberatung statt. Es wurden übergeordnete Anliegen zusammengefasst oder Konzepte zusammengeführt.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit in der Kooperation?

Marotz: Das war ein Resultat der Erfahrungen, die Kita-Leitungen gesammelt hatten. Dazu muss man betrachten, dass die Kindertagesstätten in den vergangenen gut zehn Jahren eine extrem rasante Entwicklung genommen haben. Die Einrichtungen sind stetig größer geworden, die Zahl der betreuten Kinder ist sehr stark angestiegen und die Betreuungszeiten wurden ausgeweitet. So entstand ein völlig anderes Kita-System, in dem der Aufwand mit Personalmanagement, Finanzen oder Verhandlungen mit der Kommune sehr viel größer geworden ist. Die Fachberatung wurde immer wichtiger, ebenso der Austausch zwischen den Kita-Leitungen.

Ab 2014 übernahm der Kirchenkreis Osnabrück die Trägerschaft für zahlreiche Einrichtungen, die zuvor durch die Kirchengemeinden betreut wurden. Wie kam es dazu?

Marotz: Das muss ich ein bisschen erläutern. Mittlerweile ist fast jede Kindertagesstätte, natürlich abhängig von ihrer Größe, für sich genommen ein mittleres Kleinunternehmen, das von der Kita-Leitung vor Ort geführt wird. Dazu gehört aber auch viel Arbeit im Hintergrund, die bis dahin durch die Kirchenvorstände geleistet werden mussten. Zusätzliche Aufgaben wie Qualitätsmanagement oder Arbeitsschutz kamen hinzu. Das jeweils einzeln in einer Kirchengemeinde zu übernehmen, kann schwierig sein. Deswegen war für uns die Bündelung der Trägerschaft auf der übergreifenden Ebene des Kirchenkreises die logische Folge aus der Kita-Kooperation.

Wie waren die Reaktionen in den Kirchenvorständen, als der Kirchenkreis vorschlug, Trägerschaften der Kitas zu übernehmen?

Marotz: Unterschiedlich. Viele Mitglieder in den Kirchenvorständen hatten festgestellt, dass sie sehr viel Zeit ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Kindertagesstätte aufgewendet haben. Manche haben gesagt, sie seien nicht Kirchenvorsteher geworden, um 70 oder 80 Prozent der Sitzungszeit mit Themen aus der Kita zu verbringen. Andere Mitglieder in den Gremien konnten sich nur schwer vorstellen, die Verantwortung abzugeben. Ihre Befürchtung war, dass sich die Kirchengemeinde und die Kita voneinander entfernen und die Zusammenarbeit schwieriger wird. In der Zeit haben der damalige Superintendent Herr Pannen, Herr Havliza, Frau Brahms vom Diakonischen Werk Niedersachsen und ich viele Gespräche geführt.

Offensichtlich erfolgreich, denn es war die überwiegende Mehrzahl der Gemeinden, die die Trägerschaft an den Kirchenkreis übertragen haben?

Marotz: Richtig. Die Mehrzahl ja, aber nicht alle. Dass die Gemeinden die Personalverantwortung für die Kitas abgeben konnten, war eine große Erleichterung und sicher ein wesentlicher Grund, warum so viele Gemeinden die Trägerschaft abgegeben haben. Es sind viele mitgegangen, aber einige auch nicht. Deswegen haben wir das zweigleisige System mit insgesamt vier Kitas, die weiterhin in Gemeindeträgerschaft sind. Und übrigens: Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Kita ist in keinem Fall abgebrochen, würde ich sagen. Über Kooperationsverträge und den geschäftsführenden Ausschuss für die Kindertagesstätten sind die Gemeinden nach wie vor in die Arbeit der Kita mit eingebunden.

Gab es für die Einrichtung der Geschäftsstelle Kindertagesstätten Beispiele aus anderen Regionen, in denen schon vorher so gearbeitet wurde?

Marotz: Nein, das gab es nicht. 2014 waren wir im Sprengel Osnabrück der einzige Kita-Verbund. Also haben wir viel Pionierarbeit geleistet, konnten aber gleichzeitig auch umsetzen, was für Osnabrück passt. Zum Beispiel wurde eine Kompetenzmatrix erstellt. Darin haben wir festgehalten, welche Aufgaben es gibt und wer wofür zuständig ist. Später kamen andere Inhalte hinzu, bei denen schnell deutlich wurde, dass es gut ist, an bestimmten Inhalten auch übergeordnet zu arbeiten anstatt einzeln in jeder Kita.

Fällt Ihnen dazu ein Beispiel ein?

Marotz: Mehrere. Nehmen wir die Corona-Pandemie, die natürlich ein Extremfall war. In der Zeit kamen wöchentlich – manchmal sogar öfter – Anordnungen mit Handlungsanweisungen für den Alltag in der Kita. Welche Gruppen dürfen öffnen? Wer darf die Einrichtungen besuchen? Welche Regeln müssen eingehalten werden? Auch beim Thema Kinderschutz wird sehr schnell deutlich, wie wichtig es ist, übergeordnet zu arbeiten. Wenn sich die Fachberatung in das Thema eingearbeitet hat, kann sie die jeweilige Einrichtung begleiten, eigene Konzepte zu entwickeln. Das macht einfach Sinn und spart Ressourcen. Es wird immer Inhalte und Anliegen geben, die im größeren Verband leichter zu regeln sind. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Kita-Geschäftsstelle und den Kita-Leitungen erleichtert die Arbeit im Kita-Alltag.

Welche Vorteile haben sich durch die Strukturen auf Kirchenkreisebene ergeben?

Marotz: Im Personalmanagement wurde vieles leichter, gerade auch in der aktuellen Situation, dass so viele Fachkräfte für die Kitas fehlen. Wir konnten zum Beispiel Bewerbungsgespräche führen, bei denen drei Kita-Leitungen dabei waren und dann den Bewerber*innen ein passendes Angebot machen beim Stundenumfang, bei der inhaltlichen Arbeit oder beim Standort. Es gibt mehr Flexibilität für die Mitarbeitenden und das macht die evangelischen Kitas zu einem attraktiven Arbeitgeber. Zudem konnten wir einen Pool von Vertretungskräften einrichten, die bei längeren Ausfällen einspringen können. Außerdem würde ich die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems für die Kitas als weiteren Vorteil nennen. Und nicht zuletzt entstanden Arbeitsgruppen zum Beispiel für die Köch*innen, die Mitarbeitenden in den Krippen oder die Arbeitssicherheit.

Was hat sich in der Arbeit der Kitas am meisten verändert, wenn Sie den Zeitraum betrachten, den Sie im Feld Kindertagesstätten tätig waren?

Marotz: Zum einen die Größe der Einrichtungen. Es ist ein Unterschied, ob drei Gruppen von 8 bis 12 Uhr geöffnet sind oder sieben Gruppen von 8 bis 16 Uhr. Und die Rolle der Kita-Leitungen hat sich auch stark verändert. Sie sind sehr gefordert, zum Beispiel mit Personalmanagement oder dem Umgang mit den vielen Menschen, die mit der Kita zu tun haben. Dann gibt es zum Teil andere rechtliche Rahmenbedingungen, deren Umsetzung strenger beachtet wird.

Welche Aufgaben oder Themen werden Sie im Ruhestand vermissen? Welche werden Ihnen weniger (oder gar nicht) fehlen?

Marotz: Die Themen Personalnot und Fachkräftemangel werde ich nicht vermissen. Auch den Zeitdruck bei wichtigen Anliegen, bei denen ich alles stehen und liegen lassen musste, den werde ich nicht vermissen. Aber mir wird auch einiges fehlen, denn ich habe gerne gearbeitet und es hat mir Freude gemacht, Dinge zu gestalten. Die Zusammenarbeit im Team der Kita-Geschäftsstelle habe ich sehr geschätzt. Es war immer so, dass wir mit mehreren in dieselbe Richtung marschiert sind, um Projekte umzusetzen. Auch den Standort mitten in der Osnabrücker Innenstadt finde ich schön. Die Arbeit war für mich schon ein wichtiger Teil des Lebens. Dennoch freue ich mich auch darauf, dieses Buch nach der Verabschiedung zuklappen zu können.

Wie werden Sie die freie Zeit nutzen?

Marotz: Ich freue mich auf Zeit für mich und für meine Gesundheit. Ich arbeite gerne mit Keramik und Holz und ich habe wieder angefangen, Klavier zu spielen. Auch auf Reisen in die Berge oder ans Meer freue ich mich. Oder auf Besuche in der Elbphilharmonie in Hamburg.

Wie sieht für Sie die ideale, evangelische Kita der Zukunft aus?

Marotz: Da sehe ich eine personell gut ausgestattete Einrichtung, in der die pädagogische Arbeit einen hohen Stellenwert hat und in der genau die pädagogische Arbeit gemacht werden kann, die in dieser Einrichtung gebraucht wird. Eine Kita, in der die anstehenden Themen unter pädagogischen Aspekten weiterverfolgt werden können und die auch ihr eigenes Profil ausbilden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!