„Ich freue mich, wenn sich Menschen vom Fundraising begeistern lassen“

Nachricht 12. Januar 2026

Fundraiserin Annette Urban-Engels blickt auf Zeit im Fundraising zurück

Annette Urban-Engels, Fundraiserin des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osnabrück, ist zum 31. Dezember in den Ruhestand gegangen. In einem Interview berichtet sie über ihren Werdegang, die Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit und darüber, wie sie ihre frei gewordene Zeit künftig nutzen wird. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau absolvierte Annette Urban-Engels ein Studium an der University of London, das sie mit dem Abschluss M.A. in Sozialanthropologie abschloss. Seit 1993 war sie in unterschiedlichen Positionen im Arbeitsbereich Fundraising tätig.

Bericht über die Verabschiedung

Interview

Frage: Frau Urban-Engels, Sie blicken auf mehr als 30 Jahre im Fundraising zurück. Wie hat alles begonnen, und welche beruflichen Stationen haben Sie in den Kirchenkreis Osnabrück geführt?

Annette Urban-Engels: Begonnen hat alles mit der Erarbeitung eines Fundraisingkonzepts zum Thema Erbschaften und Großspenden für den World Wide Fund for Nature (WWF) in Deutschland. Das war im Jahr 1993. Knapp zwei Jahre später führte das Fundraising mich in den Dankort (Bereich Spenden) bei der von-Bodelschwinghschen-Stiftung Bethel. Hier musste die Abteilung komplett umgestellt werden, unter anderem weg von manuellen Buchungen hin zum automatisierten Verbuchen. Das war eine sehr spannende Zeit und die Spendenbriefe waren das absolut erfolgreichste Akquise-Instrument, um neue Spender*innen zu gewinnen. Das hat sich, wie wir wissen, über die Jahre deutlich verändert.

Welche Stationen folgten anschließend?

Urban-Engels: Bei aller Begeisterung für das Fundraising: Meine große Liebe gilt dem afrikanischen Kontinent. Deshalb hatte ich mich Ende der neunziger Jahre auf eine Stelle – ausgeschrieben über die damalige GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) im ostafrikanischen Malawi beworben und diese auch bekommen. In dem Projekt ging es um Entwicklung von kleinbäuerlichen Strukturen. Hier war ich neben dem gemeinsamen Aufbau einer einheimischen Non-Government-Organisation (NGO) auch mit der Akquise von Fördermitteln beschäftigt. Nach Beendigung des Vertrages ging es drei Jahre später zurück nach Deutschland. Hier übernahm ich für ca. 13 Jahre die Geschäftsführung der Quäker-Hilfe-Stiftung. Die Stiftung hatte den Auftrag, für das „American Friends Service Committee“ (AFSC) und die deutsche „Quäker-Hilfe-Stiftung“ Spendengelder und weitere Mittel für internationale Projekte zu generieren. Eine für mich sehr interessante Aufgabe. Ich lernte das „amerikanische“ Fundraising kennen und konnte viele internationale Projekte der Quäkerhilfe besuchen. Irgendwann entstand aber der Wunsch nach einer Veränderung. Und so bewarb ich mich vor mehr als acht Jahren auf die Stelle „Fundraising“, die der Kirchenkreis Osnabrück ausgeschrieben hatte. Mit kirchlichem Fundraising war ich bereits über meine durchgängige Tätigkeit als Dozentin in der Fundraising-Ausbildung für die Landeskirche Hannovers und die Fundraising-Akademie Frankfurt gut vertraut. Und diese Entscheidung war genau richtig.

Gab es bestimmte Personen, Erlebnisse oder Projekte, die Sie besonders geprägt oder in Ihrer Arbeit bestärkt haben?

Urban-Engels: Bestärkt in meiner Arbeit haben mich immer wieder die Spenderinnen und Spender selbst. Und die positiven Entwicklungen von Projekten und für die Menschen, die sich über kleine und größere Anstöße von außen ergeben haben. Besondere freue ich mich, wenn Menschen sich vom Fundraising begeistern lassen und selbst aktiv werden. In England und Amerika ist jede/jeder gerne Fundraiser*in. Ich habe den Eindruck, dass man hier in Deutschland immer noch eher zurückhaltend ist.

Was hat Sie an der Fundraising-Arbeit in kirchlichem Kontext besonders fasziniert und immer wieder neu motiviert?

Urban-Engels: Beim Fundraising im kirchlichen Kontext muss man sich im Aufbau eher auf kleine Schritte einstellen. Die „Kirchensteuer“ hat vielen Gemeinden lange Zeit eine große finanzielle Sicherheit geboten. Das verändert sich zunehmend und immer schneller. Die finanzielle Veränderung fördert in gewissem Sinne auch die Bereitschaft, sich aktiver mit dem Fundraising zu beschäftigten. Motiviert haben mich die Gemeinden, die im Laufe der Zeit immer aktiver auf mich als Fundraiserin zugegangen sind. Heute ist für alle Gemeinden im Kirchenkreis Osnabrück der Spenden-QR-Code selbstverständlich, genauso wie der Spendenreiter auf den Gemeindewebsites. Oder auch das Thema: „Wie spreche ich einen potenzielle Großspender/eine Großspenderin an?“.

Welche Entwicklungen im Fundraising haben Sie in Ihrer Zeit erlebt? Und welche Veränderungen haben Sie selbst angestoßen oder begleitet?

Urban-Engels: Wie schon gesagt: Spenden-QR-Codes und das Online-Spendentool Twingle, die Spendenreiter mit den darunterliegenden Infos auf den jeweiligen Websites der Gemeinden sind ein großer Schritt nach vorn. Auch Themen wie Anlass- und Kondolenzspenden werden in vielen Gemeinden inzwischen sehr aktiv eingesetzt. Besonders schön fand ich immer unsere Netzwerktreffen Fundraising im Kirchenkreis, die zweimal im Jahr stattfanden. Ich habe diese Treffen eingerichtet, damit alle am Fundraising Interessierten voneinander lernen können und merken, wie viel Spaß Fundraising machen kann. Die letzten Themen dieser Treffen waren: der richtige Einsatz des Online-Spendentools Twingle, KI im Fundraising oder wie schreibe ich einen erfolgreichen Spendenbrief. Ich hoffe, für die Zukunft wird dieses Format beibehalten.

Wenn Sie an Ihre Zeit im Ruhestand denken: Worauf freuen Sie sich besonders?

Urban-Engels: Auf mehr Zeit für eigene Dinge. So habe ich in den letzten Jahren sportliche Aktivitäten oft vernachlässigt. Das zu ändern, steht oben auf meiner Agenda. Zudem warten bereits ehrenamtliche Aufgaben auf mich. Ich werde mich im Welthaus in Bielefeld engagieren. Hier geht es auch wieder um Fundraising und Stiftungen, aber auch um Projektarbeit unter anderem in afrikanischen Ländern.

Was werden Sie vermissen? Und was wird Ihnen gar nicht fehlen?

Urban-Engels: Oh, ich werde vieles vermissen, insbesondere die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen Menschen in den Gemeinden im Kirchenkreis, die sich über die Jahre entwickelt hat, und zu sehen, wie das Fundraising und seine Akzeptanz im Laufe der Zeit immer größer geworden sind. Aktuell kann ich mir gar nicht vorstellen, dass der Kontakt so ganz abbrechen wird. Gar nicht fehlen wird mir die viele Fahrerei zwischen meinem Wohnort in Bielefeld und dem Arbeitsort Osnabrück.

Was möchten Sie den Menschen im Kirchenkreis Osnabrück zum Abschied gern mit auf den Weg geben?

Urban-Engels: Für die Gemeinden wünsche ich mir, dass das Fundraising sich immer weiterentwickelt und es immer mehr Menschen Spaß macht, diesen Aufgabenbereich aktiv mitzugestalten.

Vielen Dank für das Gespräch!