Zu einer Gemeindeversammlung hatte der Kirchenvorstand der Evangelisch-lutherischen Nordwestgemeinde Osnabrück im Anschluss an den Gottesdienst am Sonntag, 22. Februar, in das Gemeindehaus am Stephanusweg eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung eines Zukunftskonzepts, mit dem sich die Gemeinde den wachsenden finanziellen Herausforderungen und der Frage nach einer zukunftsfähigen Gebäudeplanung stellt.
Der Kirchenvorstand berichtete zunächst über die aktuelle Situation: sinkende Mitgliederzahlen, steigende Personalkosten und wachsende Aufwendungen für die Unterhaltung der Gebäude führen zu einem erheblichen finanziellen Druck. Gleichzeitig wurde betont, dass die Nordwestgemeinde mit ihren beiden Hauptstandorten – Markuskirche und Stephanuskirche – dank vieler engagierter Ehrenamtlicher und eines kleinen Hauptamtlichenteams weiterhin lebendig und vielfältig bleibt.
Zum Profil der Gemeinde gehören neben Gottesdiensten, Seelsorge und Besuchen auch kulturelle und diakonische Schwerpunkte: Der Chor „ChoirFire“, sozial-diakonische Projekte in den Stadtteilen, das Projekt „Landwehrviertel“ und gemeinschaftliche Aktionen wie das Tauffest auf dem Campingplatz Bullerby am Attersee oder ökumenische Veranstaltungen prägen die Arbeit der Nordwestgemeinde. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Musik und Kultur (AG MuK), die für ihre Musicals und Theaterstücke in der Markuskirche landesweit Bekanntheit erreicht hat. 2025 konnte die Gemeinde ihr zehnjähriges Bestehen als fusionierte und zusammengewachsene Gemeinde feiern.
Um diese Arbeit auch künftig verlässlich fortsetzen zu können, musste der Kirchenvorstand schwierige Entscheidungen treffen. Da die Stephanuskirche vom Kirchenkreis als sogenannte „B-Kirche“ eingestuft wurde und keine Investitionen sinnvoll möglich sind, hat der Kirchenvorstand beschlossen, das Gebäude ebenso wie das Pfarrhaus zu verkaufen. Damit konzentriert sich die Gemeinde künftig auf die Markuskirche am Julius-Heywinkel-Weg, das Gemeindehaus und das von der Jugend genutzte Blockhaus am Stephanusweg. Diese Entscheidung schafft zugleich Spielraum, andere Formen kirchlicher Präsenz beizubehalten und zu erproben – etwa mit Projekten und Aktionen direkt in den Stadtteilen und im Landwehrviertel. Auch der musikalische Schwerpunkt und die Zusammenarbeit mit der AG MuK sollen gestärkt werden.
Trotz allen Verständnisses für die Notwendigkeit des Beschlusses war in der Versammlung spürbar, dass die Nachricht viele bewegt. In den anschließenden Gesprächen wurden Trauer, Nachdenklichkeit, aber auch konstruktive Ideen und Vertrauen deutlich. Der Wunsch, die Gemeinschaft in der Nordwestgemeinde lebendig zu erhalten, war allen Beiträgen gemeinsam.