„Wir pflügen und wir streuen“: Kirchenkreiskonferenz Osnabrück besucht Amazone-Werk in Hasbergen-Gaste

Im Monat Oktober wird es landauf, landab bei Gottesdiensten und Andachten gesungen: das bekannte Erntedank-Lied „Wir pflügen und wir streuen“ nach der Dichtung von Matthias Claudius. Wie in Zeiten industrieller Landwirtschaft das Weizenkorn in die Erde gelangt und welche Sätechnik dafür zum Einsatz kommen, davon konnten sich die Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone der Kirchenkreiskonferenz Osnabrück beim Marktführer für Saatmaschinen, der Firma Amazone, am Stammsitz in Hasbergen-Gaste einen Eindruck verschaffen.

Von der lokalen Manufaktur zum Global Player für Landmaschinen-Technik
Geschäftsführer Christian Dreyer stellte in seinem Vortrag die Entwicklung seines Unternehmens vor. Angefangen hatte alles vor nahezu 135 Jahren, als Heinrich Dreyer seinen Betrieb gründete. Ursprünglich als Einzelproduktion ausgerichtet ging die Getreide-Reinigungsmaschine „Amazone“ schon bald in die Serienfertigung. „Seit Gründung unseres Unternehmens haben wir stets zwei Grundsätze verfolgt: Die technische Innovation für die Herstellung hochwertiger und langlebiger Produkte zu nutzen und dabei die Amazone-Werke als mittelständisches Familienunternehmen zu führen“, so Dreyer. So ist es gelungen, auch sehr erfolgreich auf europäische und internationale Märkte zu expandieren.

Die Amazonen: Moderne Technik aus Stahlblech
Bis dann ein Düngestreuer oder eine so genannte Anbaufeldspritze fertig für den Versand in alle Welt bereit stehen, vergehen im Werk einige Tage. „Wir produzieren ausschließlich im Kunden-Auftrag“, erläuterte Matthias Beuke aus der Abteilung Marketing und Kommunikation während des Rundganges durch die Fertigung. Von den ersten Arbeitsschritten in CNC-Abkant-Maschinen bis zur Qualitätskontrolle konnten sich die Besucher ein beeindruckendes Bild machen. „Wieviel Arbeit hinter so einer Maschine steht, habe ich mir noch nie klar gemacht“, so eine Pastorin. Und dann fügt sie etwas augenzwinkernd hinzu: „Dabei hat man doch so viel Zeit zum Nachdenken, wenn man hinter einem Trecker hinterherfährt.“

Welternährung und Nachhaltigkeit
Zur Unternehmensphilosophie gehört aber nicht nur der hohe Anspruch an die Güte der Maschinen und das Bewusstsein für eine Kundenorientierung. Christian Dreyer betont seine Verbundenheit mit Glauben und Kirche: „Für uns ist der Acker nicht nur ein Substrat, auf dem Pflanzen möglichst kostenoptimiert wachsen. Als Christ sehe ich mich auch in der Verantwortung für die Schöpfung und die Menschen, die auf der Erde leben.“ Amazone begleitet daher auch mehrere Projekte im Bereich des „corporate social responsibility“ (CSR), in dem Unternehmen als Ausdruck ihres Bewusstseins für gesellschaftliche Verantwortung Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Amazonen am Pflug: Bäuerliche Landwirtschaft in Indien
Dass solches Engagement sich gut mit Personalentwicklung und der Ausbildung junger Menschen im Arbeitsfeld Landtechnik verbinden lässt, stellte Personalleiter René Hüggelmeier vor. Die Amazonen-Werke unterstützen als exklusiver Unternehmenspartner Projekte der Welthungerhilfe in Indien. Zuletzt im Sommer 2017 waren Auszubildende aus Gaste in Westbengalen. „Wir gestalten die Ausbildung projektorientiert. Mit der Erfahrung aus den Reisfeldern vor Ort können unsere jungen Leute erfahren, dass ihre Ideen und Lösungsvorschläge für Menschen auf der anderen Seite des Erdballs Lebensbedingungen konkret und nachhaltig verändern und verbessern.“ Aktuell entwickeln Auszubildende aus dem „Projekt Indien“ eine einfache Maschine für die Reissaat. Solche Labor-Entwicklungen stärken vor allem die Möglichkeiten zur Selbsthilfe. Und sie sind ein Beitrag zur Chancengleichheit von Männern und Frauen. Denn die schweren landwirtschaftlichen Tätigkeiten würden dort überwiegend von Frauen erbracht, so Hüggelmeier.

Kirche und ländlicher Raum als Thema für Kirche
Zum Abschluss zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beeindruckt und nachdenklich. „Es macht sehr viel Sinn, wenn wir in Europa unsere wirtschaftliche Kraft dazu einsetzen, auch die Lebens- und Ernährungsbedingungen in anderen Regionen der Welt zu verbessern. Dass auch unsere Betriebe vor Ort dazu einen Beitrag leisten, ist gut zu wissen“, so eine Stimme aus der Runde. Und Nicole Beckmann vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt ergänzte: „Die Amazone-Werke ruhen auf den drei Säulen von Tradition als Familienunternehmen aus der Region, von Innovation als zukunftsorientierter Konzern auf den Weltmärkten und dem durchgängigen Blick auf die Folgen und Gestaltungsmöglichkeiten für die ländlichen Räume überall auf der Erde.“ Ein Betriebsbesuch also, der das Thema Erntedank noch einmal in ungewohnter Perspektive vertiefte. Mit den vertrauten Worten von Matthias Claudius: „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott“.