Gestalten statt Zugucken

Neujahrsgrüße von Dr. Joachim Jeska, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Osnabrück

Dr. Joachim Jeska
Dr. Joachim Jeska

Zum Jahreswechsel grüße ich alle Osnabrückerinnen und Osnabrücker sehr herzlich und wünsche allen ein gesegnetes und gutes neues Jahr.

2017 wird unserer Evangelischen Kirche als Jahr des 500. Reformationsjubiläums dauerhaft in Erinnerung bleiben. Gerade hier in Osnabrück hat sich einmal mehr gezeigt, welche Bedeutung die Ökumene für unsere christlichen Kirchen hat. Besonders freut mich die breite gesellschaftliche Verankerung, die unsere Reformationsfeier mit der Trägergemeinschaft von Kirchen, Stadt, Landkreis, Universität und Landschaftsverband gefunden hat.

Dominierendes Thema in unserer Gesellschaft ist seit Ende September die Frage der Bildung einer neuen Regierung. Wahlen, Wahlbeteiligung und politische Willensbildung beherrschen seitdem die Medien. Unabhängig vom politischen Standpunkt herrscht Einigkeit, dass die Beteiligung an Wahlen ein wichtiges Gut und Gradmesser der demokratischen Reife einer Gesellschaft ist – insofern können wir uns freuen, dass die Beteiligung an der Bundestagswahl 2017 wieder etwas höher lag als bei den vorherigen Wahlen. Denn für das Recht, darüber mitzubestimmen, wie und von wem man regiert wird, haben sich überall auf der Welt Menschen aufgeopfert. Auch in Deutschland wurde erst vor ziemlich genau 100 Jahren ein allgemeines Wahlrecht eingeführt.

Es ist ein Markenzeichen unserer Kirche, dass auch bei uns als Leitungsorgane der Gemeinden die Kirchenvorstände demokratisch gewählt werden. Die nächste Gelegenheit hierzu bietet sich am Sonntag, dem 11. März 2018, wenn in unserer hannoverschen Landeskirche die Kirchenvorstandswahlen anstehen. „Kirche mit mir“ – so lautet das Motto der Kampagne, die die Landeskirche gestartet hat, um auf die Wahlen aufmerksam zu machen und unsere Gemeindemitglieder zu motivieren – nicht allein zur Teilnahme an der Wahl, sondern auch zur Bereitschaft, als Kirchenvorstand zu kandidieren. Evangelische Kirche lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Kirche mitgestalten. Das bedeutet Übernahme von Verantwortung, ist aber auch eine große Chance, in der eigenen Gemeinde mit zu bestimmen. Gottesdienste, Gebäude, Einrichtungen, Haushalt – über all diese Fragen beraten und entscheiden die Kirchenvorstände. Auch darüber, welche Art von Gottesdiensten gefeiert werden, ob in der Gemeinde-Kita etwas verändert werden soll oder ob mehr Angebote speziell für junge Leute erforderlich sind. Als Kirchenvorstand kann man eine Menge gestalten und darüber das Profil einer Gemeinde entscheidend prägen.

Natürlich ist dies mit Aufwand verbunden. An Kirchenvorstandssitzungen teilnehmen, Unterlagen lesen, den Gottesdienst vorbereiten und mitmachen, zum Gemeindefest den Grill bedienen – das alles kostet Zeit. Es macht jedoch auch Spaß, wie immer wieder Menschen bestätigen, die eine oder auch mehrere der sechsjährigen Wahlperioden absolviert haben. Und es zeigt einen tiefen Gemeinsinn, den ich den ehrenamtlichen Kirchenvorständen hoch anrechne.

Die Bereitschaft, die Verhältnisse im eigenen Lebensumfeld zu gestalten, ist ein wertvoller demokratischer Impuls, von dem unsere gesamte Gesellschaft profitiert. Ob Rotes Kreuz, Amnesty International, Hausaufgabenhilfe, freiwillige Feuerwehr oder Besuchsdienst in der Kirchengemeinde – ehrenamtliches Engagement ist ein gesellschaftlicher Schatz, der Früchte trägt, weil in der Gemeinschaft Dinge bewegt und erreicht werden können, die der Einzelne oft nicht schafft. Und weil viele Menschen davon profitieren.

Ich bin froh, dass unsere Kirche diese Beteiligungsmöglichkeiten bietet: mit der Synode, unserem Kirchenparlament, aber auch vor Ort mit der Leitung der Gemeinden als Kirchenvorstand. Und ich hoffe natürlich, dass viele von Ihnen am 11. März zur Wahl gehen.

Ich wünsche Ihnen ein friedliches und glückliches neues Jahr.

Herzlichst Ihr
Dr. Joachim Jeska, Superintendent

Zur Website www.kirche-mit-mir.de