Für „Versöhnte Verschiedenheit“ - Joachim Jeska kandidiert in Osnabrück als Superintendent

Osnabrück. Als Kandidat für das Amt des Superintendenten im Evangelischen Kirchenkreis Osnabrück hat Joachim Jeska in der gut besuchten Katharinenkirche seine mit Spannung erwartete Aufstellungspredigt gehalten.

Dr. Joachim Jeska
Dr. Joachim Jeska

Darin betonte der 49-jährige Theologe und Hobbypilot, der seit 2003 als Pastor der St.-Urban-Gemeinde in Klein Ilsede bei Peine tätig ist, einige Tage nach dem Kantate-Sonntag die Rolle der Musik im weltlichen und auch kirchlichen Leben. Gemeinsames Musizieren sei Exempel und „Praxisfeld“ für „versöhnte Verschiedenheit“. Denn bei einer Chorprobe, aber auch in einem Orchester oder in einer Band komme es eben darauf an, „verschiedene Stimmen in Harmonie“ zu bringen.

Der schlussendliche Gesamtklang sei dabei das Wichtige, wobei gerade die „harmonische Verschiedenheit“ die „Lebensrhythmik und -dynamik einer Gemeinschaft“ fördere, in der trotz eventueller Misstöne wertschätzend miteinander umgegangen werde. Musik sei daher weit mehr als nur Beiwerk eines Gottesdienstes – sie strahle aus in Gemeinden und in die Gesellschaft. Wie eine Predigt vermöge sie mit einer sinnlichen und spirituellen Dimension zu trösten und zu stärken.

Auch mit zukunftsweisenden Blick auf die Osnabrücker Friedensorgel, die 2018 in der Katharinenkirche eingeweiht werden soll, wünschte sich Joachim Jeska weiterhin erfolgreiche Bildungsprojekte der kirchlichen Musikförderung und ermutigte die Menschen zum Singen – etwa auch bei Trauerfeiern.

Jeder trägt etwas bei

Ausgehend von einschlägigen Passagen aus dem Brief des Apostel Paulus an die Kolosser empfahl der Theologe, einander zu „ertragen, ermahnen und vergeben“. Bei allen unterschiedlichen Meinungen müsse stets Kommunikation möglich bleiben. Das gelte in einer Kirchengemeinde ebenso wie in der Musik, wo jeder seine eigene Begabung mit einbringe und so alle ihren Teil zum Gelingen des Ganzen beitrügen. Dabei entspreche es dem protestantischen Bild der Kirche, dass niemand wichtiger sei als der andere und dass entsprechend nicht auf den Status geachtet werde, sondern auf das, was jeder Einzelne zum Nutzen aller gut könne.

Mit aktuellem Bezug zum Staatsbesuch in Hannover betonte Joachim Jeska, dass es keine Zaungäste geben dürfe und der rote Teppich jedermann gebühre. Denn ausnahmslos alle, die an Christus glaubten, seien „Geliebte Gottes“ und „Heilige mit unterschiedlichen Begabungen“. Wieder mit Bezug auf den Kolosser-Brief empfahl er „Sanftmut, Demut, Geduld, Erbarmen und Freundlichkeit“ als Handlungsmaxime auch und gerade im Umgang mit Flüchtlingen, denen man entsprechend „wohlwollend und mit Wertschätzung“ begegnen solle.

Noch bis diesen Donnerstag können die Mitglieder des Evangelischen Kirchenkreises Osnabrück nach der Aufstellungspredigt „begründete Einwendungen“ gegen die Kandidatur Joachim Jeskas als Nachfolger des scheidenden Superintendenten Friedemann Pannen geltend machen, erläuterte Gisela Löhberg als Vorsitzende des Kirchenkreistages die Regularien. Eine endgültige Entscheidung über die Ernennung Jeskas fällt dann bei der offiziellen Wahl am 17. Juni.

Neue Osnabrücker Zeitung, 2. Mai 2016