„Eine Frau ist der beste Gefährte fürs Leben“ - Vortrag von Sonja Domröse zum Frauenbild Luthers

„An diesem Abend haben wir Martin Luther ein wenig geerdet, er war eben ein Mann seiner Zeit und durchaus fehlbar“, resümierte Frieder Marahrens. Der Leiter der Ev. Erwachsenenbildung dankte Sonja Domröse, Öffentlichkeitspastorin des Sprengels Stade, für diese „Richtigstellung“. Domröse hatte im Steinwerk der St. Katharinenkirche über den Reformator und sein widersprüchliches Frauenbild referiert.

Der Ev.- luth. Kirchenkreisverband Osnabrück- Stadt und -Land lud zu ungewöhnlichen Sichtweisen auf die Rolle der Frau zur Zeit der Reformation ein. Referentin waren Sonja Domröse, Moderator Frieder Marahrens.
Der Ev.- luth. Kirchenkreisverband Osnabrück- Stadt und -Land lud zu ungewöhnlichen Sichtweisen auf die Rolle der Frau zur Zeit der Reformation ein. Referentin waren Sonja Domröse, Moderator Frieder Marahrens.

Der Vortrag gehörte zum Begelitprogramm der Ausstellung „Frauen der Reformation“ in der St. Katharinenkirche, Osnabrück. Dabei wird über das Leben und Werk von 12 Frauen informiert, die eher im Hintergrund die Reformation mitprägten. Nach der Ausstellungseröffnung und einem Seniorennachmittag mit Diakonin Lisa Neumann stand bei der dritten Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung Sonja Domröse, Öffentlichkeitsbeauftragte des Sprengels Stade, am Mikrofon. Ihr Thema war die sich verändernde Rolle der Frau während der Reformation. Das ideale Frauenleben wurde nicht mehr hinter Klostermauern geführt, sondern im Haushalt als Ehefrau und Mutter.  

In ihrem Referat machte Sonja Domröse die Widersprüchlichkeit Luthers deutlich, mit der er die Rolle der Frau definierte. Sonja Domröses Quellen für einen informativen und unterhaltsamen Vortragsabend waren unter anderem die Luther-Schriften „Vom ehelichen Leben“ und das „Traubüchlein“. Sätze, wie „Männer sind doch gottgleicher“, „das Weib ist ein notwendiges Übel“ und die Frau als Sündenbringerin der Welt standen nach mittelalterlicher Auffassungen im Gegensatz zur gleichberechtigten Partnerschaft von Mann und Frau gemäß der reformatorischen Überzeugung. Einerseits lästerte Martin Luther offen über unfruchtbare Frauen, andererseits nutzte er den Einfluss regierender Frauen für seine Zwecke. Auch Johannes Calvin, nach Luther einflussreichster Reformator, stellte die dienende Aufgabe der Frau in den Vordergrund. Sonja Domröse stellte seine Trauformulare mit unterschiedlichen Traufragen für Mann und Frau vor. Dennoch: Während der Reformation wird die Frau zur gleichberechtigten Partnerin, ihr wird Bildung zuteil und gelegentlich wird sie sogar als Gesprächspartnerin bei religiösen und wissenschaftlichen Themen geschätzt. „Eine Frau ist der beste Gefährte fürs Leben“, zitierte Sonja Domröse aus Luthers Tischreden. Unter diesem Titel stand auch der Vortragsabend im Steinwerk.